
Flügeln
Ausgewählte Texte
2019 bis 2024
retoure
die zigarettenhose
brennt extrem schlecht ab
und ist nikotinfrei
ich hab mir bei kaufland
den tod geholt
hinten rechts
zwischen feinkost und frost
gute kombination
für ein zahlenschloss
du nuschelst ich schiele
noch drei ziffern dann
fallen wir übereinander her
von morgen an
nachtblind
oder betrunken
ein tag mit vorsatz
heute keine poesie
schreibe nur rechnungen
mit dem betreff
feuerlöschpapier
beiß dich in meinem nacken fest
ich kraule dich bis zur insel
wir igel mögen quark
sage ich dösig
der macht so schön müde
ihr igel erzählt einen reis
sagst du
schlaf lieber und leg
deine stacheln an wenn du
der kleine löffel sein willst
holst du mal luft für mich
meine lunge
hält noch den atem an
meine hand
hält noch nicht takt
los
wir springen jetzt
fallen tief
knallen hart
mit dem kopf auf
die matte der schönheit
applaus
parallelwelt mit rollrasen
in deinem gartenparadies
schiebst du den zweitkinderwagen
fein säuberlich die wege entlang
ich warte beim kompost
ich reiß mir ein haar aus für dich
und verflechte meine beine
rauf und runter und eins
dazwischen halbherzig
findest du das
deine bewerbung als phasenprüfer
ist fristgerecht und vollständig
eingegangen
ist es zu zeitig oder zu
spät für die notbremse
bin ich zu dick oder zu
dünn besaitet ich wollte
einfach nur hier sein nur
vielleicht nicht als persona
non grata
ich möchte bitte
zeitnah tot umfallen
gern herzstillstand
mord geht sicher auch
für suizid fehlt mir
im absoluten glück
der antrieb
diese texte sind für den verzehr
ungeeignet
ohne doppelten boden haben
worte schnell übergewicht und
ob der steg uns länger aushält
als wir die indirekte rede
weiß ich nicht hundertprozentig
diplomatisch ausgedrückt
ist fick mich die antwort
auf all deine fragen
in deinen graustufen
verschwimmt mein bild
von der wirklichkeit
gib mir schwarz auf weiß
begehren oder abwehr
sehnsucht oder flucht
ich kann mich immer noch
selbst überraschen
ich bin mir immer noch
selbst die größte
gefahr
wir sind wie eis
mit heißen himbeeren
du katastrophale versuchung
ich unbehandelte karies
wenn du mir lange
diagonalen spielst
bin ich auf meiner seite
der stadt verloren
ich wünschte du würdest
die sehnsucht spüren
die mich verschlingt
weil du nicht sehnst
weil du nicht suchtest
weil du nichts spüren willst
was dich verschlingen könnte
ich bin auf der flucht
vor meinem sturmtief
in dein regenfass gefallen
das ist nicht ideal aber
raubfische weinen nicht
du hast mich gegen den strich berührt
da wo mein fell ganz dünn ist
fast transparent
einen pfennig für
deine gedanken und
einen banküberfall
für dein vermögen
vor uns zu fliehen
hättest mich durch die welle
tragen mich einatmen ausatmen
knallhart gegen die wand lehnen
und so nehmen können
wie ich bin
aber können
kommt von wollen
und du willst mich nicht mehr
dich stößt meine anziehung ab
du hast gut trainierte reflexe
aber ich hab flügel und pfeife
auf die paar federn die du
mir verkostet hast
du hast es geschafft
den kanal zu vergiften
mit einem einzigen
kuss
tut weh
tut sehr weh
tut viel zu sehr weh
spricht deine sprache
trägt die haare wie du
und schmeckt nach dir
aber du kannst ja nicht
die quelle sein
du bist ja längst
fein raus
der donner grollt
als wenn er die welt
verdauen würde
ich wünschte
ich könnte das auch
weil ich mit dem kopf
in der wand nicht so
einfach die zeit streichen
und niemand die farbe
kennt die dich fernhalten
kann ich nicht vor
nicht zurück kann das bild
von dir nicht verblassen
es war doch ohnehin falsch
ich so schwer
du so leicht
du nicht mehr
ich vielleicht
oh warum nur
tut dir nichts
weh
wer dich sehen will
darf die augen nicht öffnen
wer dich hören will
darf dich nicht verstehen
vielleicht bin ich falsch
zu dir abgebogen
vielleicht soll das alles
nicht sein aber was
wäre wenn wir noch
mittendrin wären
mitten im stück und
die wendeschleife
groß genug für
einen überlandbus
einen fernwehzug
ein unterzeitboot
vielleicht hast du mir
beim absprung den
knöchel verstaucht
vielleicht ist rückwärts
auch spiegelverkehrt
und nichts wäre wenn
oh es sieht schon wieder
so aus als hätte ich
die verdammte langsamkeit
nicht schnell genug erlernt
weil du mir den hals einrenkst
statt mir ein haar zu krümmen
du mich nicht fallenlässt
sondern fängst
weil du mir die stirn bietest
statt mir die wut zu nehmen
du mich nicht ändern willst
du mich nicht zähmst
weil du mir nichts nachträgst
nichts vorhältst nur immerzu
halt gibst und grund zu bleiben
kann der abgrund nicht wissen
wann er endlich gewinnt und
ich kann dich nicht beschreiben
stell dir vor ich hätte was
in deinem viertel zu suchen
an einem dienstag mittag im märz
ich laufe also die unendliche straße entlang
die sonne kitzelt mich im nacken
die musik zwischen den ohren
und mein hund tapst so langsam
dass ich mit geschlossenen augen
auf der stelle tänzeln muss
und nun stell dir vor du würdest nur
eine ecke weiter durch den tag hasten
als wäre der teufel hinter dir her
keine pause keine kippe kein kuchen
dein telefon hält deinen blick gefangen als
du im laufschritt um die kurve und zack
stell dir vor wie schön verprasselt
wir da liegen würden sprachlos und sehr
berührt
als ob dem meer winzige
wellen vorauseilen würden
die meilenweit entfernt
erspüren wollen
ob ich kalte füße bekommen
oder nie aufgehört habe
mich zu sehnen
da wo du ebbe bist
bin ich flut und
der mond ist ein
sadistisches arschloch
verflucht sei dein lyrisches ich
das mit worten spielt
die in mir funken schlagen
verflucht sei mein lyrisches ich
das einen blitz erträumt
der dich entzündet
warten ist keine strategie
müssen ist kein argument
verflucht sei das schreiben selbst
verflucht sei die flugangst
